Microsoft und Meta haben am 29. Juli 2026 nach US-Börsenschluss an der Wall Street ihre Quartalszahlen vorgelegt, und der Markt hat zwei entgegengesetzte Urteile gefällt: Microsoft legte nachbörslich zeitweise bis zu 8 % zu, Meta verlor rund 5 %. Dabei erzählen beide Berichte dieselbe Geschichte, nämlich Milliardenausgaben für KI-Infrastruktur. Der Unterschied liegt darin, was diesen Ausgaben gegenübersteht.
Auf einen Blick
Microsoft (Q4 des Geschäftsjahres 2026, bis 30. Juni): 90,0 Mrd. USD Umsatz (+18 %), EPS 4,81 USD (+32 %), Azure +43 % (Stand 29. Juli)
Microsofts vertraglich gebundener, noch nicht verbuchter Umsatz (Commercial RPO) stieg um 84 % auf 678 Mrd. USD (Stand 29. Juli)
Meta (Q2 2026): 60,8 Mrd. USD Umsatz bei 59,5 Mrd. USD Konsens, aber EPS von 6,18 USD nach 7,14 USD im Vorjahresquartal (Stand 29. Juli)
Metas operative Marge fiel von 43 % auf 31 %, der freie Cashflow auf 784 Mio. USD (Stand 29. Juli)
Meta hob die Untergrenze der Capex-Prognose 2026 an: neu 130 bis 145 Mrd. USD statt 125 bis 145 Mrd. USD (Stand 29. Juli)
Nachbörslich am 29. Juli: Microsoft zwischen +3 % und +8 % je Abfragezeitpunkt, Meta −5,06 % auf 556 USD, zeitweise bis −8 % (Stand 29. Juli)
Warum das Thema jetzt relevant ist
Beide Konzerne investieren pro Quartal zwischen 31 und 36 Mrd. USD in Rechenzentren und Chips, beide meldeten am selben Abend, beide schlugen beim Umsatz die Erwartungen. Trotzdem laufen die Aktien auseinander. Wer verstehen will, welche Kennzahl der Markt in dieser Phase des KI-Investitionszyklus tatsächlich bezahlt, bekommt hier den bislang klarsten Anschauungsfall. In unserer Vorschau auf beide Berichte hatten wir die Capex-Frage als entscheidenden Punkt markiert. Genau dort ist die Entscheidung jetzt gefallen.
Die wichtigsten Zahlen
Microsoft: Wachstum mit Auftragspolster
Microsoft meldete für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres 2026 (bis 30. Juni) einen Umsatz von 90,0 Mrd. USD, ein Plus von 18 % gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um 31 % auf 35,8 Mrd. USD, das verwässerte Ergebnis je Aktie um 32 % auf 4,81 USD. Azure wuchs um 43 %, nach 40 % im Vorquartal. Die auffälligste Zahl steht aber dahinter: Die vertraglich zugesagten, noch nicht verbuchten Umsätze stiegen um 84 % auf 678 Mrd. USD (alle Angaben Stand 29. Juli, Microsoft IR).
Meta: Umsatzrekord, aber schrumpfende Marge
Meta übertraf mit 60,8 Mrd. USD Umsatz im zweiten Kalenderquartal 2026 den Konsens von 59,5 Mrd. USD. Darunter wird es ungemütlicher: Das EPS lag bei 6,18 USD, nach 7,14 USD im Vorjahresquartal und rund 7,13 USD Konsens. Die operative Marge fiel von 43 % auf 31 %, belastet auch durch 2,4 Mrd. USD Rechtskosten. Vom Quartalsumsatz blieben nach 31,08 Mrd. USD Investitionen nur 784 Mio. USD freier Cashflow übrig (Stand 29. Juli, Meta IR).
Warum die Aktien gegenläufig reagieren
Der Unterschied ist nicht die Höhe der Ausgaben, sondern der Nachfragebeleg. Microsofts Quartals-Capex von 35,8 Mrd. USD lag sogar leicht unter der Analystenerwartung von 36,14 Mrd. USD (Stand 29. Juli, Microsoft IR bzw. Yahoo Finance), und dem Aufwand steht ein um 84 % gewachsener Auftragsbestand gegenüber. Meta hob dagegen die Untergrenze seiner Jahres-Capex-Prognose um 5 Mrd. USD an, bei fallendem Gewinn und ohne vergleichbaren Vertragsnachweis, dass die Ausgaben sich verzinsen.
Der Makro-Rahmen verschärft das Urteil. Die Fed hielt am selben Tag den Zielkorridor bei 3,50 bis 3,75 %, allerdings mit einem 9:3-Votum, drei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung (Stand 29. Juli, federalreserve.gov). Die 30-jährige US-Rendite stieg auf 5,21 %, den höchsten Stand seit Juli 2007 (Stand 29. Juli, CNBC). Steigende Langfristzinsen entwerten Erträge, die weit in der Zukunft liegen, und genau solche verspricht Meta gerade. Den Hintergrund haben wir in der FOMC-Vorschau aufbereitet. Wie tief die Zweifel an der KI-Rendite sitzen können, zeigte zuletzt der Kimi-K3-Schock bei den Chip-Aktien.
Was Trader jetzt beobachten sollten
Erstens: Bestätigt der reguläre US-Handel am 30. Juli die nachbörsliche Reaktion, oder setzen bei Microsoft Gewinnmitnahmen ein? Nachbörsliche Kurse sind dünn gehandelt und verschieben sich oft zur Eröffnung. Zweitens: Apple und Amazon berichten am 30. Juli nach US-Börsenschluss, der Konsens liegt bei rund 1,89 USD EPS für Apple und 1,81 USD für Amazon (Stand 29. Juli, Ergebnis zum Redaktionsschluss offen). Bei Amazon ist die AWS-Wachstumsrate die Entsprechung zu Azure, derselbe Maßstab lässt sich direkt anlegen. Die Termine stehen im Quartalszahlen-Kalender. Drittens: Auf Indexebene gleichen sich die gegenläufigen Bewegungen teilweise aus, der Nasdaq 100 schlägt deshalb weniger aus als die Einzelwerte. Einen schnellen Überblick über die Bewegung einzelner Werte liefert die Markt-Heatmap. Die Einordnung der gesamten Woche liefert unser Wochenausblick.
Chancen und Risiken
Auf der Chancen-Seite steht bei Microsoft ein belegter Nachfrageüberhang: Azure-Wachstum von 43 % bei einem um 84 % gewachsenen Auftragsbestand ist ein Vertragsbestand, keine Hoffnung. Auch Meta wächst weiter zweistellig, und der Q3-Ausblick von 61 bis 64 Mrd. USD liegt über dem Q2-Wert (Stand 29. Juli).
Auf der Risiko-Seite ist Metas freier Cashflow praktisch aufgezehrt. Kühlt das Werbegeschäft ab, müsste der Konzern die Investitionen aus Reserven oder über Schulden finanzieren, und das bei Langfristzinsen auf 19-Jahres-Hoch. Auch bei Microsoft gilt: Ein Auftragsbestand ist ein Versprechen auf künftigen Umsatz, kein bereits verdientes Geld.
Fazit
Der Markt bestraft nicht KI-Ausgaben an sich, er bestraft KI-Ausgaben ohne sichtbaren Nachfragebeleg. Microsoft konnte diesen Beleg liefern, Meta an diesem Abend nicht. Für die Berichte von Apple und Amazon am Abend des 30. Juli ist damit der Maßstab gesetzt.








